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AKTUELL IN ARBEIT:

„NICHTS SCHÖNERES“
Monolog für eine Frau
von Oliver Bukowski

erstmals in Gebärdensprache

19. November, Heimathafen Neukölln: „Mechthild, Totschlag, schwere Körperverletzung, guten Morgen allerseits". Eine Frau, ein Monolog und ein desaströses Leben. Die Hoffnung des Moments lässt Mechthild Huschke in „Nichts Schöneres“ voller Leichtigkeit darauf zurückblicken – erstmals in Gebärdensprache.

Student muss er sein, so kultiviert war er letzte Nacht. Ein Hoffnungsschimmer ist er auf jeden Fall. „Wo DU bist, öffnen sich Muscheln“ lässt Mechthild sein Gedicht Revue passieren und lacht: „Alte Sau!“. Gedichte kommen in der Vergangenheit der Mittfünfzigerin nicht vor. Dafür Dieter wie er zerschlitzt, hackt und reindrückt. Erinnerungen an Demütigungen ihres mittlerweile zermatschten Mannes, später der Wärterinnen in der Klapse – Mechthild geht sie alle noch einmal heiter durch, in diesem Moment der Hoffnung auf eine Zukunft.

Erstmals antwortet „Nichts Schöneres“ auf die Frage des Autors: Wie kann all die Ironie, der Sarkasmus, Zynismus – der feinen Unterschied zwischen Meinen und Sagen in Gebärdensprache übersetzt werden? Eine Sprache, die all das nur bedingt kennt? „Das ist Neuland und nicht weniger als eine Pionierleistung!“ begeistert sich Oliver Bukowski über das Projekt. Ute Sybille Schmitz (Regie und Sprechstimme) und Bettina Kokoschka (Mechthild, Gebärden) bringen genau das am 19.11. auf die Bühne des Heimathafen Neukölln.

Premiere am 19.11.2016 im Heimathafen Neukölln

Team

Regie: Ute Sybille Schmitz
Schauspielerin: Bettina Kokoschka
Stimmcoach: Sina Wichmann
Regieassistenz: Anke Trostel
Bühnenbild: Linda Wortmann
Kostümbild: Heike Hofmann
Maske: Michele Krüger
Technik: Andreas Albrecht

Nichts Schöneres

Oliver Bukowski über die Übertragung in Gebärdensprache
„NICHTS SCHÖNERES wurde in vielen Sprachen inszeniert; ich hatte folglich immer wieder mit Übersetzern zu tun, aber noch nie – nie! – sahen wir uns vor solch einem ungeheuren Berg von Problemen. Einfache umgangssprachliche Idiome, Ironie, Sarkasmus, Zynismus, Mundart, der feine Unterschied zwischen Meinen und Sagen – wie übersetzt man das in GEBÄRDENSPRACHE?!

Britische oder französische ÜbersetzerInnen verzweifelten schon an Slang wie „ab ist der Fisch und weggeschwommen“ (= bis hierher und nicht weiter/ ich hab genug). Sie aber – Sie erklärten es mir leidenschaftlich – Sie aber haben nicht einmal die treffenden Gebärden für den doppelbödigen Wortlaut, Sie müssen sie gemeinsam mit Ihrer Darstellerin erfinden! Übersetzen ist ja nie „Übersetzen“, sondern immer schon Nachdichten. Allerdings können all die Sprechenden und Hörenden auf einen reichen Fundus sicherer Wendungen zurückgreifen. Sie werden die(Gebärden-) Sprache erweitern müssen. Sie sind nicht mehr „nur“ NachdichterIn, sondern sind gezwungen, Sprachschöpferin zu werden. Liebe Ute Sybille Schmitz, ich bin begeistert, woher nehmen Sie nur den Mut und die Kraft, sich das Zeile für Zeile, Wort für Wort aufzubürden?!

Sprach- und Gehörlose sind eine Minderheit aber sie werden sozialpolitisch noch nicht einmal als eine solche behandelt. Kein Status, kein Politiker, der sich mit seiner besonderen Fürsorge profilieren will. Wenn da (beim Wetterbericht, den Nachrichten und manchen Filmen) ein wenig Gebärdensprache hinzugegeben wird, dann war`s das auch schon. Das Feigenblatt der Political Correctness. Sie aber wollen den Sprach- und Gehörlosen die Welt des SPRECHtheaters zugänglich machen. Großartig, nur … hätten Sie es sich nicht ein leichter machen können? Wenigstens ein bisschen? Es gibt genügend Texte, die stilistisch weniger vielschichtig sind. Klare, einfache Satzstrukturen und nirgends so wildes Unterholz aus Dialekt, Soziolekt, Slang. Wollen Sie nicht. Sie begnügen sich nicht damit, die Zeichenwelt der Sprach- und Gehörlosen simpel zu bestätigen, Sie wollen sie ausweiten. Das ist Neuland und nicht weniger als eine Pionierleistung!“

Hintergründe
Gehörlose
Offizielle Zahlen, über Gehörlose in Berlin gibt es nicht. Schätzungen liegen zwischen 6.000 und 10.000. In ganz Deutschland leben rund 80.000 Gehörlose. Hinzu kommen noch einmal ca. 14-15 Millionen Schwerhörige unterschiedlichen Grades, von denen mindestens 140.000 Menschen ebenfalls auf Gebärden angewiesen sind.

Obwohl damit über 19 % der deutschen Bevölkerung von dem Thema der Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit betroffen sind, unterliegt das Thema vielen Tabus. Und wo die Überschneidungen zwischen den Welten klein sind, sind die Berührungsängste umso größer. Das abzubauen ist auch ein Anliegen von Die Visionäre e.V. Auf die Bühne bringen es aktuell Ute Sybille Schmitz und Bettina Kokoschka in „Nichts Schöneres“ am 19. April im Heimathafen Neukölln.

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